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Landstrom & Netzvorrangschaltung

Landstrom im Camper nachrüsten: Komplettsets, VDE-Zertifizierung, Einbau und Schaltplan

Landstrom im Camper oder Wohnmobil nachrüsten ist nicht schwer. Welches Set du dafür brauchst, wie CEE-Einspeisung, FI-Schutzschalter, Ladegerät und Netzvorrangschaltung zusammenhängen und worauf du beim Einbau achten musst, klären wir in diesem Artikel.

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2026

Kurzantwort: Landstrom brauchst du, um dein Wohnmobil bzw. die Batterie am Campingplatz oder bei dir zu Hause mit 230 V zu versorgen. So kannst du normale 230-V-Haushaltsgeräte verwenden. Die einfachste Lösung ist ein Ladegerät, das du einfach in eine Steckdose steckst. Eine saubere Landstrom-Installation besteht aus CEE-Einspeisung außen am Fahrzeug, FI-Schutzschalter mit Leitungsschutz, Batterieladegerät und Steckdosen. Kommt ein Wechselrichter dazu, gehört außerdem eine Netzvorrangschaltung dazu. Die Reihenfolge ist dabei: CEE → FI/LS → Ladegerät → Netzvorrangschaltung → FI/LS → Steckdosen. Wenn du eine Anlage selbst aufbaust, lass sie nach der Installation prüfen, denn 230 V ist lebensgefährlich. Nimm gerne Kontakt mit uns auf.

1. Mit oder ohne 230-V-Bordnetz

Nur die Batterie laden: Möchtest du die Batterie nur ab und zu am Campingplatz oder daheim nachladen und hast unterwegs keine 230-V-Verbraucher, reicht bereits ein kleines Ladegerät mit Schukostecker, zum Beispiel ein Victron Blue Smart 12/30. Soll es etwas Dauerhaftes sein, haben wir ein einfaches Landstrom-Set im Angebot, das bereits eine CEE-Einspeisesteckdose und einen FI/LS mitbringt.

230-V-Bordnetz: Innen gibt es Steckdosen für Kaffeemaschine, Föhn oder Laptop, wie du es von zu Hause kennst. Dafür brauchst du eine feste Installation mit CEE-Einspeisesteckdose, FI/LS, fest verbautem Ladegerät und, zusammen mit einem Wechselrichter, einer Netzvorrangschaltung. Das ist der Standard in Wohnmobilen und bei Kastenwagen-Ausbauten, die regelmäßig auf Campingplätzen stehen.

2. Was in ein Landstrom-Set gehört

BauteilAufgabe
CEE-Einspeisung (Einbaustecker)genormter 230-V-Anschluss außen am Fahrzeug
FI/LS-Schutzschalter im Gehäuseschützt vor Stromschlag und Überlast
Gummileitung H07RN-F (2,5 / 1,5 mm²)Verkabelung der 230-V-Seite
Batterieladegerätlädt die Aufbaubatterie aus dem Landstrom
SteckdosenAnschluss für 230-V-Geräte
Netzvorrangschaltungschaltet die Steckdosen zwischen Landstrom und Wechselrichter um
Anschlusskabel 3 × 2,5 mm² mit CEEverbindet Campingplatz-Säule und Fahrzeug

Ein fertiges Landstrom-Set erspart dir die Suche nach passenden Einzelteilen.

3. Der Schaltplan: die Reihenfolge, die stimmen muss

Der Strom vom Campingplatz läuft durch diese Stationen:

  1. CEE-Säule (Campingplatz) → Anschlusskabel → CEE-Einspeisung: Für den Anschluss am Fahrzeug verwendest du eine blaue CEE-Einspeisesteckdose. Eine Schuko-Steckdose für den Hausgebrauch ist nicht zugelassen. Auch eine bei uns oft angefragte DEFA-Steckdose sieht der TÜV nicht gerne.
  2. FI/LS-Schutzschalter: Er wird so nah wie möglich hinter der Einspeisung montiert. Am besten verwendest du einen FI/LS mit zweipoligem Leitungsschutz (2P). Dann bist du auch mit einem Schuko-Adapter, der nicht verpolungssicher ist, vollständig abgesichert. Der FI trennt bei einem Fehlerstrom, der Leitungsschutz bei Überlast.
  3. Ladegerät-Abzweig: Hier zweigt der Landstrom zum Batterieladegerät ab, und zwar vor der Netzvorrangschaltung. Das kannst du zusammen mit dem FI/LS in einem kleinen Gehäuse verdrahten.
  4. Netzvorrangschaltung: Sie schaltet automatisch zwischen Landstrom und der Versorgung über den Wechselrichter um. Wie sie funktioniert, erklärt der Ratgeber Netzvorrangschaltung im Wohnmobil.
  5. Wechselrichter: Er wandelt die 12 V der Batterie in 230 V für dein Bordnetz und speist als zweite Quelle in die Netzvorrangschaltung ein.
  6. FI/LS-Schutzschalter für das Bordnetz: Auf der Seite des Bordnetzes gehört ebenfalls ein separater FI/LS. Er schützt dich auch dann, wenn der Wechselrichter die Steckdosen versorgt, und darf nicht vergessen werden. Kleiner Tipp: Einige Wechselrichter haben Netzvorrangschaltung und FI/LS direkt eingebaut, zum Beispiel der BullTron Combi 2000 W. So sparst du dir einiges an Verkabelung.
  7. Steckdosen: die Endpunkte für deine 230-V-Geräte.

Der häufigste Fehler: das Ladegerät hinter die Netzvorrangschaltung zu klemmen. Fällt der Landstrom weg, versorgt dann der Wechselrichter das Ladegerät, das wiederum die Batterie lädt, aus der der Wechselrichter zieht. Bei jedem Umlauf gehen rund 20 % verloren, und die Batterie wird leer, obwohl scheinbar geladen wird.

Ohne Wechselrichter entfällt die Netzvorrangschaltung, die Steckdosen hängen dann direkt hinter dem ersten FI/LS.

4. Das richtige Ladegerät

Als Faustregel für den Ladestrom gelten bei AGM-Batterien 10–20 % der Kapazität, bei Lithium 20–30 %. Prüfe trotzdem einmal den maximalen Ladestrom der Batterie im Datenblatt.

Wichtig ist eine Ladekennlinie für deinen Batterietyp. Oft wird empfohlen, bei fehlendem Lithium-Modus den Blei- oder Gel-Modus zu verwenden. Das führt aber zu einer dauerhaften Erhaltungsladung, die deiner LiFePO4-Batterie nicht guttut. Eine Auswahl an Ladegeräten findest du bei den Landstrom-Ladegeräten. Wechselrichter mit eingebautem Ladegerät und Netzvorrangschaltung übernehmen alle drei Aufgaben in einem Gerät. Mehr dazu im Ratgeber Wechselrichter im Wohnmobil.

5. Der Einbau Schritt für Schritt

  1. CEE-Einspeisung setzen: eine Stelle an der Fahrzeugwand wählen, an der keine tragenden Teile geschwächt werden und innen genug Platz zum Anschließen bleibt. Ausschnitt sägen, blanke Kanten gegen Rost schützen, die Einspeisung einsetzen und prüfen, dass rundum alles dicht ist.
  2. FI/LS montieren: das Gehäuse mit dem Schutzschalter direkt hinter der Einspeisung befestigen. Zum Anschluss verwendest du am besten Gummikabel. Sitzt der Wechselrichter in der Nähe, liegt die gesamte 230-V-Technik an einem Ort.
  3. Verdrahten: Braun oder Schwarz ist die Phase (L), Blau der Neutralleiter (N), Grün/Gelb der Schutzleiter (PE). Der Schutzleiter wird mit der Karosserie verbunden. Alle Litzenenden bekommen Aderendhülsen.
  4. Kabel verlegen: nur flexible Gummileitung H07RN-F, 2,5 mm² für die Einspeisung, 1,5 mm² für Abzweige zu Steckdosen. Starre Hausinstallationsleitung bricht durch die Vibrationen im Fahrzeug und darf nicht verwendet werden. 230 V und 12 V immer getrennt führen und nicht in der Nähe von Gasleitungen.
  5. Ladegerät und Steckdosen anschließen, gegebenenfalls die Netzvorrangschaltung dazwischen.
  6. Prüfen lassen: Vor der ersten Nutzung sollte eine Elektrofachkraft die Anlage messen und prüfen, also Schutzleiter, Isolation und Auslösen des FI. Wenn du unsicher bist, melde dich gerne bei uns und vereinbare einen Termin in der Werkstatt.

Die 230-V-Installation in Wohnmobilen und Caravans richtet sich nach DIN VDE 0100-721. Wenn du dir bei der 230-V-Seite unsicher bist, übernimmt das unser Einbauservice in Koblenz.

6. Tipps für den Campingplatz

  • Absicherung der Säule: Viele Campingplätze sichern pro Stellplatz nur mit 6 bis 16 A ab. Bei 6 A sind das rund 1.300 W, mehr als Wasserkocher oder Föhn allein geht dann nicht.
  • Kabeltrommel ganz abrollen: Aufgerollt erwärmt sich das Kabel stark und ist oft nur für etwa 1.000 W zugelassen.
  • Adapter mitnehmen: Im Ausland gibt es nicht überall CEE-Steckdosen. Ein CEE-Schuko-Adapter gehört ins Fahrzeug.

7. VDE-Zertifizierung

Für die 230-V-Installation im Wohnmobil ist die Norm DIN VDE 0100-721 maßgeblich. Bei der Abnahme durch den TÜV, etwa bei der Zulassung als Wohnmobil, wird ein Nachweis dafür häufig verlangt. Keine Angst: Zu all unseren Komplettsets erhältst du von uns eine VDE-Bescheinigung, mit der die Zulassung kein Problem ist.

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